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Nachsuchen

Knochenarbeit

Das Gebrech des Überläufers, der verendet an einer Buche liegt, ist weit aufgerissen. Ein abstoßender Anblick. Die Erklärung – zwei Tage wurde mit einem Hannoverschen Schweißhund das Stück nachgesucht. Als schließlich der Fangschuss antragen werden konnte, hat sich das Stück gerade mit den Läufen Fraß in das zerschossene Gebrech geschoben. „Das sind die Folgen von Tellerschüssen“!!!

Beispiel Überläufer: Es ist nicht nur das Ergebnis eines misslungenen Tellerschusses. Am Skelett eines Wildschweines ist recht gut zu sehen, warum die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Tellerschusses so gering ist. Hier sieht man, wie klein im Verhältnis zum Körper der Sau die Fläche ist, die der Schütze treffen muss, damit die Sau im Knall liegt. „Es gibt nichts Schlimmeres für einen Hundeführer, als am Anschuss Zähne zu finden“!!

Zum Thema Anschuss und Pirschzeichen ist eine ganze Menge zu sagen. „Wer die Pirschzeichen findet und erkennt, hat bereits 50 Prozent der Nachsuche geschafft“. Und: „Wer schießt, sollte danach auch so lange suchen, bis er etwas findet.“ Aber die „Suche nach dem Anschuss ist oft Knochenarbeit.“

Ist das nicht grundsätzlich eine Selbstverständlichkeit für waidgerechte Jäger?

Es scheint nicht so, wenn ich mich erinnere, dass ich schon zu Anschüssen gerufen wurde und dann dort lediglich den Jagdhelfer antraf, der ungefähr wusste, wo der Anschuss sein könnte, den der Schütze verursacht hatte. Oder wenn ich die Jäger treffe, die sich absolut sicher sind, auf dem Blatt abgekommen zu sein. An den Anschüssen finde ich dann Schnitthaar vom Stich, dem Bauch und der Keule.

„Zur waidgerechten Jagd gehört einfach Ehrlichkeit“.

Ich erinnere mich auch an jenen Jäger, der einen Hirsch beschossen hatte und ebenfalls einen „ganz sicheren Schuss aufs Blatt“ abgegeben haben wollte. Mein Benny fand den Hirsch später. Er war spitz von vorne in den Stich beschossen worden. „Der Jäger sagte mir dann, das sei nie im Leben der Hirsch, den er beschossen hätte. Erst als ich antwortete, dann könne ich ja den Hirsch mitnehmen, änderte der Jäger seine Meinung.

Aber was tun, wenn der Jäger den Anschuss gefunden und markiert hat? „Suche ich sofort nach, ist der Erfolg vielleicht beim Teufel. Suche ich zu spät, dann verstoße ich womöglich gegen das Tierschutzgesetz oder die Fleischhygieneverordnung.“

Ich habe es mir zum Prinzip gemacht, nach einem Laufschuss 15 Stunden, nach einem Waidwundschuss zehn Stunden mit der Nachsuche zu warten. Anders ausgedrückt:
Jede Trefferlage hat eine „Wartezeit“ – die „ich“ als Hundeführer festlege – wem es nicht passt, der hole einen anderen >brauchbaren< Hund!



Ich warne immer wieder – nicht nur die Waidmänner (und -frauen natürlich) vor riskanten Schüssen („der Trägerschuss ist und bleibt eine Schweinerei“).

Riskante Schüsse vermeiden, Ehrlichkeit gegenüber dem Nachsuchenführer, wenn dennoch einmal ein Fehler unterlaufen ist, und die Bereitschaft, sich Sachkunde über Pirschzeichen anzueignen. „Wir Hundeführer wissen zwar, dass wir unser Leben danach einrichten müssen, jederzeit verfügbar zu sein. Mit ein wenig Sachkunde könnte aber so manche Nachsuche durch den Jäger selbst durchgeführt werden.“